KULTUR &
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Impressum:
 

                                                           
                                  Geschichte der Deichanlage Dormagen / Zons
                              
Zusammenfassung von Hans-Gerd Schmiedel  März 2003  (aktualisiert 03/2010)

     
Die folgende Zusammenfassung versucht die wichtigsten Daten dieses heute so als selbstverständlich  empfundenen Jahrhundertbauwerkes einmal kurz zu veranschaulichen. Der Damm lockt jährlich Tausende Wanderer, Spaziergänger und Erholungssuchende an, um Zons und seine niederrheinische Landschaft zu geniessen. Der Eine oder Andere würde vielleicht gerne näheres wissen über die Entstehung,Geschichte und Bedeutung dieses wichtigen, ja für die Zonser Bürger lebenwichtigen Bauwerkes. Vielleicht kann diese Kurzfassung dazu einen nützlichen Beitrag leisten und dem heutigen schnellen Informationsbedürfnis entsprechen.

                                                     
Kurz die Situation vor dem Deichbau:
 
Die bereits in dem Buch von Joan Peter Delhoven erwähnten Dämme waren keineswegs das was wir uns vielleicht heute darunter vorstellen. Sie dienten nicht dem Hochwasserschutz sondern waren lediglich Flügel-Deiche also Deichbauten ( Strömungs-Prallschutz in Strominnenkurven) um Durchbrüche bzw. Laufveränderungen, wie z.B. in dem besonders gefährdeten Rheinbogen (Grind), zu verhindern.
Wegen der Laufveränderungen des Rheines zeigten sich in Zons früher schon verschiedene Interessen der Zonser Bürger ab. Während die Zöllner auf  Befehl des Domkapitels mehrere Male Anschwemmungen abtrugen, um die Gefahr, dass ,,der stroum gantz und gar vonn der Statt weichen mocht“, abzuwenden, stieß dieses Verhalten bei den Bürgern auf wenig Gegenliebe, da sie dadurch wertvolles Land verloren. Die folgenden Jahrhunderte brachten katastrophale Hochwässer mit immensen Schäden für Menschen, Tiere und Ackerflächen, wovon viele Chronisten berichten und das hier nicht weiter ausgeführt werden kann. Das höchste Hochwasser ohne Eisversatz war das von Januar 1926. Es setzte für den Deichbau neue Maßstäbe. Noch im auslaufenden 19. Jh.(die Deichoberinspektion in Düsseldorf besteht seit 1878) wurde damit begonnen, die bestehenden Flügeldeiche zu verbinden, womit nur ein gewisser Schutz  gegeben war.
Die Aufsicht über die jeweiligen Deichabschnitte hatte aufgrund gesetzlicher Bestimmungen die Deichschau.
Für den Bereich des heutigen Dormagen wurden dies die voneinander unabhängigen Deichschauen Dormagen-Rheinfeld und Zons-Dormagen von 1838.
Die von den Deichschauen kontrollierten Banndeiche zeigten sich schon beim Hochwasser 1921 als nicht ausreichend. Beim  Hochwasser Januar 1926 versagten die Deiche vollständig. Der Wasserstand erreichte damals seinen letzten Hochpunkt mit   30 cm über dem von 1882! Der Schaden belief sich damals auf annähernd 600 000 RM. Ganz Rheinfeld, Zons und große Teile Dormagens lagen unter Wasser. Der Sand und Schlick lagen z.B. im Grind nach Ablauf des Wassers bis 2 m hoch in den Wiesen. Dieses Hochwasser war der Anlass nunmehr einen wirklich effektiven Schutz  gegen derartige Naturkatastrophen zu schaffen. Ein neuer Banndeich mit einer solchen Höhe, dass er allen bekannten Hochwassern getrotzt hätte musste erbaut werden, und zwar umgehend, damit nicht das Wasser hinter den Deich gelangen und ihn abschwemmen konnte. Für eine Deichschau alleine war diese Arbeit aus Planungs- und  Kostengründen unmöglich zu realisieren, so dass schon bald der Blick  auf den Nachbarn fiel.
Als dann im April 1927 der Oberdeichinspektor, Oberregierungs-Baurat Stracke, in Düsseldorf für den ganzen ferabschnitt seines Inspektorates konkrete Bedingungen für einen Deichbau stellte, kam es zu Verhandlungen zwischen den Deichschauen Dormagen-Rheinfeld und Zons-Dormagen.
Gefordert von Düsseldorf war, dass nun alle Dämme auf 1 m über der HHW von 1926 erhöht wurden. Wegbereiter für dieses Projekt waren der Zonser Bürgermeister Stephan Güsgen ( 1923-1926) und sein Nachfolger Dr. Emil Kirchhoff (1926-1928) zusammen  mit Oberdeichinspektor Stracke.
Neugründung als ,,Neuer Deichverband Dormagen - Zons“am 29. Februar 1928 im Restaurant ,,Zum Kurfürsten“ in Zons.

                                                    Auszüge aus der Gründungsversammlung:
 
1. Vorsitzender und 1. Deichgräf der Zonser Bürgermeister Hans Michael Flücken (1928-1945)
 2. Vorsitzender und stellvertretender Deichgräf der Dormagener Bürgermeister Schönenbrücher.
Der ebenfalls anwesende Landrat Dr. Groener führte mit Leidenschaft aus: ,,Das es sich um ein Projekt für Jahrhunderte handele und das es wohl eines der größten Unternehmungen auf diesem Gebiete in der ganzen Gegend darstelle. Werde der z.Z. äußerst günstige Moment verpasst , so werde wohl niemand dafür garantieren können, dass die Eindeichung in absehbarer Zeit zustande komme. Reich, Staat, Provinz und Kreis seien bei der Finanzierung des Projektes- auf das später noch zurückzukommen sei- den örtlichen Beteiligten bis zur Grenze des Möglichen entgegen gekommen, so dass sich die örtlich aufzubringenden Lasten in einem tragbaren Rahmen hielten.“
                                                                                       § 1
Der Deichverband führt den Namen ,, Neuer Deichverband Dormagen-Zons“ und hat seinen Sitz in Zons im Landkreis Neuß. Mitglieder des Deichverbandes sind die Deichschauen Dormagen-Rheinfeld und Zons-Dormagen. Das Gebiet des neuen Deichverbandes umfasst die Gebiete der beiden Deichschauen.
                                                                                       § 2
 
Der Deichverband bezweckt die hochwasserfreie Eindeichung des Gebietes Dormagen-Rheinfeld-Zons nach den Plänen des Oberdeichinspektors in Düsseldorf  vom 30. April 1927 , sowie der Unterhaltung der Verbandsanlagen. Nachdem sich die Beteiligten Deichverbände nach anfänglichen Schwierigkeiten über den Verlauf des Deiches geeinigt hatten, wurde noch im gleichen Jahre mit der Planung und dem Bau begonnen. In dieser Zeit wirtschaftlicher Krisen (,,schwarzer Freitag an der Wallstreet“) war verständlicherweise ein großer Andrang bei der Vergabe der Bauarbeiten. Den Zuschlag zur Ausführung erhielt die Firma Dyckerhoff & Widmann in Düsseldorf.

                                                                   Deich-Daten:
  Baubeginn war der 1. Juli 1928, da rollten die ersten Feldbahnloren
  Sohlenbreite: 25m, Kronenbreite 5m, Länge 6000 m
  Böschungssteigung: rheinseits  1:3, binnenseits 1:2
  Höhe: 100 cm über HHW von 1926  (Höchsthochwasser)
  Durch den Deich geschützte Fläche: 900 Ha oder 9 Millionen qm
  Baumaterial: 400 000 cbm Bodenmasse dafür wurden 50 Morgen Rheinvorland ,,einfach“
  bis auf 2 m ausgeschachtet und dann z.T. wieder mit Mutterboden und Rasenboden bedeckt!
  Personal: 450 Erwerbslose in 3 Bauabschnitten mit je 150 Mann vom 1. Juli 1928 bis 1.Dezember 1930
  Bedeckte Fläche: bei einer Fußbreite zwischen 25 und 27,5 m 140 000 qm
  Bauende mit abschließender Besichtigung am 11. Dezember 1930 mit Landrat Dr. von Chamier

                                                                  Die Gesamtkosten:
 
betrugen abschließend 1,3 Millionen RM ! (Veranschlagt war rund 1 Million RM) Davon übernahmen der Staat und die Provinz 800 000 RM, der Kreis ca. 240 000 RM und  80 000 RM wurden durch Zuschüsse der Erwerbslosenfürsorge vom Arbeitsamt erwirtschaftet, da an der Baustelle vorwiegend Erwerbslose beschäftigt wurden. Die restlichen 180 000 RM mussten auf die ,,Interessenten“, das waren die Grundbesitzer der durch den Deich geschützten Gebiete, umgelegt werden. Dazu beschloss der Erbentag*, dass die Grundstückesbesitzer 3000 RM für unbebaute und 3750 RM für bebaute Grundstücke aufzubringen in der Lage seien, bei einem weiteren Zuschuss der Gemeinden Zons und Dormagen von je 500 RM . Die Landwirte waren im Deichverbandsvorstand mit 8 Mann vertreten, die Hausbesitzer nur mir 1 Mann, obwohl sie 
¾  der Lasten zu tragen hatten, was erhebliche Missstimmungen zur Folge hatte. Die letzten Darlehensschulden des Deichverbandes wurden bereits 1958 gezahlt!
  Um ein Gefühl dafür zu bekommen welche Kostendimension das für die damalige Zeit war, hier einige

                                                              Vergleichspreise Stand 1929:
 
Tagelohn für Jugendliche unter 21 Jahren lag bei                  1,20 RM
 Tagelohn für Frauen höchstens                                            2,55 RM
 1 Markenfüllfederhalter                                                     20,00 RM
 Neubauwohnung mit 3 Zimmer Küche u. Bad monatlich   120,00 RM
 1 kpl. Schlafzimmer um                                                    280,00 RM
 wer es sich überhaupt leisten konnte,
 1 Hasenkeule mit Preiselbeeren u. Kartoffeln                         2,40 RM
 ¼ Liter abgekochte Milch im Rahmen der Schulspeisung       0,04 RM
 Fahrräder für                                                                      68,00 RM
 Herrenanzüge für                                                                28,00 RM
 1 Pfund Gehacktes für                                                          1,00 RM
 1 Pfund Rollbraten                                                               1,25 RM
 1 Pfund Kabeljau                                                                 0,80 RM

                                                                            Die Deichgräfen:
 1. Deichgräf         Bürgermeister von Zons Herr Hans Michael Flücken 1928 - 1945
 2. Deichgräf         Stadtdirektor von Zons Herr Johannes Scheer 1946 - 1971
 3. Deichgräf         Paul Wierich          1971 - 1993
 4. Deichgräf         Johannes Steffen   1993 - 2004
 5. Deichgräf         Artur Auweiler       2004 - 2010 
 6. Deichgräf         Eduard Breimann    01.03.2010

                                                                               Der Erbentag:
 
14 Mitglieder, davon 3 in Dormagen, 4 in Rheinfeld und 7 in Zons er wird alle 5 Jahre durch die  Verbandsmitglieder in der  Mitgliederversammlung gewählt.
Der heutige Deichverband Dormagen/Zons
wurde am 29.6.1995 durch die Fusion der Deichschau Zons mit dem Deichverband Dormagen gebildet. Das Deichamt, es wird geleitet vom Deichgräfen und besteht aus 4 ordentlichen Heimräten und 4 stellvertretende Heimräte. 1 Heimrat wird zum stellvertretenden Deichgräfen gewählt. Erbentag und Deichamt haben gemeinsam dafür Sorge zu tragen, dass die Anlagen des Deichverbandes jederzeit in einem ordnungsgemäßen Zustand sind. Das Gebiet des Deichverbandes Dormagen/Zons umfasst eine Fläche von 4000 a und hat insgesamt eine Deichlänge von 13 km. Es erstreckt sich von Rhein-Stromkilometer 710,8  bis 727,5  Beitragspflichtige Mitglieder: ca. 5000 ( Stand 2004).

 Quelle:
 
Aus der Schriftenreihe Geschichte und Entwicklung der Stadt Dormagen
 ,,Der Deich“ von K.H.Engler, W. Schmitz,  P.Wierich

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